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Für unsere Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert wäre diese Erkenntnis fast wie eine rettende Hilfe gewesen: UNSER EGOZENTRISCHER NATURZUSTAND. So hat es Friedrich Wilhelm Förster im zwanzigsten Jahrhundert gesagt: "unser egozentrische Naturzustand". Es stand in einem Buch. Das konnten viele lesen und viele wissen.

Jemand hat es in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts so erlebt: Bei zwei vollen Studien, wo es um Menschen geht - und in einem regen Weiterstudium mit Büchern, an Akademien, auch an der Universität, bei Fortbildungsveranstaltungen kam dieser Begriff "unser egozentrischer Naturzustand" nie wieder vor. Das hat er so beobachtet, nachdem er diesen Begriff "unser egozentrischer Naturzustand" bei Friedrich Wilhelm Förster gelesen hatte, und er bewahrte diese Erkenntnis über uns in aufmerksamer Erinnerung durch ein halbes Jahrhundert. Gelegentlich hat er das auch so gesagt oder geschrieben: "unser egozentrischer Naturzustand". Dazu gab es nur einmal ein Gespräch, wo der Gesprächspartner gerade das "unser egozentrischer Naturzustand" mit interessierter Aufmerksamkeit und bewegter Aufgeschlossenheit besprochen und beherzigt hat. Dieser Gesprächspartner hatte Philosophie und Medizin studiert. Bei seinem Studium ging es auch um uns Menschen.

Wenn es um uns Menschen geht, dann können wir mit der Erkenntnis "unser egozentrischer Naturzustand" viel über uns lernen und viel von unserer Geschichte miteinander und gegeneinander und viel von unseren Lebensgeschichten besser verstehen. Das soll und muss kein negatives Moralisieren über die anderen oder allgemein über Menschen sein. Es ist zunächst kein Thema der Moral oder der Kritik an uns Menschen. - Der egozentrische Naturzustand gehört zum Bestand der Existenzerhaltung bei allen Lebewesen. Das ist so etwas wie der Antrieb bei allen Lebewesen für ihr Weiterbestehen, der Antrieb für ihr Leben und das Leben ihrer Art zu sorgen, ihr Leben und das Leben ihrer Art zu erhalten. Den meisten Lebewesen ist damit die ganze Verwirklichung ihres Lebens vorgegeben.

Wir Menschen brauchen zur Verwirklichung unseres Lebens außer unserer Natur, außer unserem Naturzustand, außer der Entwicklung unserer Natur auch die Entwicklung unseres geistigen Lebens. Das ist kein Naturvorgang - die Entwicklung unseres geistigen Lebens, das ist Bildung. Jetzt sind wir da angekommen, wo es noch lange weitergeht, wo es schwierig wird. Muss das immer so sein? Gerade mit "unserem egozentrischen Naturzustand" haben wir eine zuverlässige, allgemeine Orientierungshilfe. Darauf könnten wir uns doch einigen: Das ist unser aller Start. Das ist bei uns allen so. Aber dabei können wir nicht bleiben. Das reicht beinahe nur für unsere biologische Existenz.

Um unser Leben als Menschen zu verwirklichen, menschlich zu verwirklichen, müssen wir über unsere Natur hinauswachsen, erwachsen werden, muss unser geistiges Leben wachsen, müssen wir als Menschen gebildet, menschlich gebildet werden, human gebildet werden. Was menschlich, was human ist? Darüber könnten wir uns doch einigen? Zumindest so: Was nicht nur egozentrisch ist! Und das doch auch: Was mehr als egozentrisch ist, was das Gegeneinader überwindet, was das Miteinander erhält, was zum Miteinander führt. Ohne geeignete und ausreichende humane, menschliche Bildung sind wir vielleicht weitgehend von unserem eigenen egozentrischen Naturzustand und vom egozentrischen Naturzustand der anderen bestimmt. Entsteht daraus das verbreitete Chaos? Durch Bildung, wenn wir geistig erwachsen werden, durch geistige Verwirklichung unseres Lebens gibt es für uns und mit uns die humane Heimkehr unseres Lebens in das humane Miteinander, in die humane Welt für alle.