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Das Lernen würde sehr leicht sein, wenn wir alles behalten könnten, was wir einmal hören oder lesen. Wäre das für uns immer leichter und warum geht es oft anders? Wie viel behalten wir im Gedächtnis, wie viel bleibendes Wissen haben wir nach dem Lesen eines dicken Fachbuches? Um auch nur einiges davon zu behalten, müssen wir es uns durch Wiederholungen einprägen. Wie lange würde es dauern, sich den Inhalt des ganzen umfangreichen, dicken Buches einzuprägen? Wie oft müssten wir dabei das ganze Buch lesen und wie langsam müsste jede Wiederholung gehen, um den Text beim wiederholten Lesen auch einzuprägen? Zu jedem Lernfach, sogar zu jedem Teilgebiet, werden Literaturangaben mit umfangreichen, dicken Büchern gemacht. Irgendwo heißt es beim "Lernen lernen": Was zu umfangreich ist, wird schneller vergessen. Wie werden wir dann mit dem Einprägen umfangreicher Texte Erfolg haben, wenn wir den umfangreichen Inhalt schneller vergessen, also immer wieder vergessen? Dann heißt es weiter beim "Lernen lernen": Es wird mehr und mehr vergessen, je länger etwas seit der Speicherung zurückliegt. Bis wir mit dem Einprägen zur Mitte oder zum Ende eines dicken Buches kommen, brauchen wir wahrscheinlich längere Zeit. Wie viel haben wir inzwischen dann vom Anfang vergessen, wenn wir nicht den ganzen Inhalt vom Anfang an laufend wiederholen? Wahrscheinlich müssten wir uns jeden Abschnitt so lange und so gründlich einprägen, dass es ein bleibender Lernerfolg wird, also nicht mehr vergessen wird. Wie viel Zeit brauchen wir dafür bei einem dicken Buch? Müssen wir für den Lernerfolg und für die Orientierung über uns mehr darüber wissen und verstehen, warum wir vergessen und wie das geht mit dem Vergessen?

Beim Lernen verstehen wir manches inhaltlich nicht und manches hat dadurch für uns wenig Sinn oder manches erscheint uns unwichtig. Solche Inhalte vergessen wir schneller. Wird das Einprägen durch Wiederholung bei solchen Inhalten länger dauern oder überhaupt schwierig sein? Der Lernerfolg durch Wiederholung hängt also nicht nur vom Fleiß und von der Ausdauer des Lernenden ab. Für den Erfolg beim Lernen müssen wir einiges wissen, wie das in uns auch biologisch abläuft. Das ereignet sich in uns vermutlich nicht wie ein Automat, sondern wie alles Lebendige individuell mannigfaltig. Über die biologischen Lernabläufe gibt es anscheinend schon so hilfreiches Wissen, dass wir alle uns selbst und unser Lernen besser verstehen können. Für Wiederholungen beim Lernen brauchen wir Zeit, viel Zeit und dazu Ausdauer. Es ist schade, wenn wir zu viel Zeit verwenden mit wenig Erfolg, weil wir nicht wissen, wie das geht. Mancher findet in zu umfangreicher und schwer verständlicher Literatur auch nicht die notwenigen Hilfen dafür.

Immer wieder versucht jemand mit einem Taschenbuch oder einem Sachbuch das "Lernen lernen" verständlich zu machen. Es wäre für alle Lernenden gut, solch eine wirksame Hilfe zu finden. Hierzu einige Informationen aus "Lerntechniken für Erwachsene" von Walter F. Kugemann, (Sachbuch, Rowohlt 1986): Man lernt mehr in der gleichen Zeit, wenn man sich eine nicht allzu große Menge auf einmal vornimmt. Dazu auch das so genannte Gesetz von EBBINGHAUS (deutscher Psychologe, 1885): Die Vergrößerung des Lernmaterials verursacht eine zu große (unverhältnismäßig große) Steigerung des Lernzeit (für 6 Silben genügt 1 (ein) Lerndurchgang; für 12 Silben benötigt man 17 Lerndurchgänge, für 15 Silben 30 Lerndurchgänge usw.) Die Anzahl der benötigten Durchgänge kann gesenkt werden, wenn das Lernmaterial in Abschnitten gegliedert wird (Strukturieren, Gliedern, Vereinfachen!). Das menschliche Gehirn kann gleichzeitig nur eine begrenzte Zahl von Gegenständen, Informationen wahrnehmen und verarbeiten: Rund 7 einzelne Elemente kann man noch "auf einen Blick", d.h. gleichzeitig aufnehmen.

Lernkurve: Zu Beginn des Lernvorganges wird am schnellsten gelernt. Näher beim Lernziel wird der Lernfortschritt langsamer. Wiederholen sollte man erst, wenn die Lernkurve abgeflacht ist.. Richtig sind regelmäßige Wiederholungen in regelmäßigen Abständen mit jeweils wenigen Lerndurchgängen. Wiederholungen sind kein neues Lernen, sondern ein "Wiederhervorholen". Vergessenskurve: Nach dem Lernen wird zunächst rasch vergessen. Danach geht das Vergessen langsamer, bis schließlich nichts mehr vergessen wird, (ein Rest bleibt übrig!). Im Schlaf vergisst man weniger als wenn man wach ist und ständig neue Informationen aufnimmt. Vergessen ist eine Überlagerung durch neue, andere Eindrücke. Kann man statt von Vergessen von "Verlernen" sprechen? Wiederlernen von früher gut Gelerntem geht schneller als beim ersten früheren Lernen. Von einem Lernstoff, den wir scheinbar völlig vergessen haben, sind Gedächtnisspuren geblieben, der Lernstoff war nicht verloren, sondern nur in den Hintergrund unseres Gedächtnisses gedrängt. Deshalb können wir früher Gelerntes schneller wieder lernen. Überlernen geschieht, wenn wir etwas 100 % können, 100% gelernt haben und das dann noch besser lernen wollen, das bringt nichts. Assoziationen (Verbindungen, Verknüpfungen) begünstigen die Speicherung beim Lernvorgang und die Erinnerung an den Lerninhalt: Dabei verbindet sich eine neue Information (etwas Unbekanntes) mit etwas Bekanntem in uns, es kommt zur "inneren Resonanz" und verstärkt so die Speicherung und die Erinnerung. Das fördert den Lernerfolg bei der Wiederholung und erleichtert die Erinnerung an den Lerninhalt. ("Wie funktioniert unser Gedächtnis?" Mehr Wissen dazu ist hilfreich!)